
Neulich beim Spaziergang ein großer Strauch. Frisch geschnitten, schön rund, offenbar mit dem Hochentaster gekappt. Erinnert stark an einen Mettigel. Nur eben nicht auf einer Platte mit Zwiebeln, sondern mitten im Garten.
Um welche Pflanze es sich handelt, lässt sich im unbelaubten Zustand nicht mehr sagen. Die Form gibt jedenfalls keinen Hinweis mehr. Durch solche unqualifizierten Schnitte verlieren Sträucher ihre Identität. Was bleibt, ist eine anonyme Hülle. Kurz, rund, fertig. Dass hier ein Fachbetrieb gearbeitet hat, ist dem Ergebnis nicht anzusehen. Das ist Strauchpflege auf Hausmeisterniveau.
Sträucher werden oft genauso schlecht behandelt wie Bäume. Kappen, damit es wieder ordentlich aussieht. Weg mit allem, was übersteht. Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick harmlos. Schließlich ist es ja „nur ein Strauch“. Der fällt niemandem auf den Kopf, wenn er innerlich verfault.
Biologisch macht das jedoch keinen Unterschied. Auch ein Strauch reagiert auf solche Schnitte mit Stress. Er treibt hastig neu aus, bildet viele dünne Triebe mit ungünstigen Ansatzstellen. Die Struktur wird immer dichter und ungeordneter. Licht und Luft fehlen im Inneren. Außen grün, innen kahl. Vielleicht auch morsch.
Verloren geht außerdem der Charakter. Jeder Strauch hat eine eigene Wuchsform, eine innere Ordnung. Manche wachsen locker, andere elegant überhängend, wieder andere klar aufrecht. All das wird durch pauschales Abrunden ausgelöscht. Übrig bleibt eine grüne Masse ohne Aussage.
Auch Sträucher sind Pflanzen mit Potenzial für ein langes Pflanzenleben und eine charaktervolle Entwicklung. Gute Strauchpflege greift das auf und arbeitet die Besonderheiten heraus, statt sie einzuebnen.
Ein Garten gewinnt nicht durch möglichst glatte Formen, sondern durch glaubwürdige Pflanzen. Sträucher dürfen Sträucher sein. Und Mettigel bleiben dort, wo sie hingehören, auf dem Tisch, wenn gefeiert wird.