Dieser rund 2,50 Meter hohe Wacholder in Bielefeld war über die Jahre zu einem ausgesprochen dichten Schirm geworden. Im Inneren war es komplett dunkel, zahlreiche Äste waren abgestorben, abgestummelt oder nur noch an den äußersten Spitzen grün. Die Kundin stellte deshalb auch die Frage, ob man ihn nicht besser ganz beseitigen sollte. So unschön wie er aussah, kann ich den Gedanken verstehen.

Dabei steckte in dem alten Gehölz noch Potenzial. Fällen wäre die einfache Lösung gewesen. Ein paar Schnitte mit der Kettensäge, und das Problem wäre erledigt. Mich interessiert bei solchen Gehölzen aber zuerst die andere Frage: Was lässt sich erhalten und wieder herausarbeiten? Also blieb die Kettensäge liegen und stattdessen kam die Handsäge zum Einsatz.
Gerade alte, etwas aus der Form geratene Gehölze haben oft mehr Potenzial, als der erste Eindruck vermuten lässt. Man muss sich nur die Zeit nehmen, ihre Struktur wiederzufinden.
Viel Grün außen, wenig Leben innen
Offenbar war der Wacholder in der Vergangenheit zumindest zeitweise mit der Heckenschere geschnitten worden. Dadurch waren sehr gleichmäßige Außenkanten entstanden. Von außen wirkte die Krone dicht und geschlossen, im Inneren zeigte sich dagegen ein Geflecht aus altem Holz, sich kreuzenden Ästen und viel Totholz.
Hinzu kam Efeu, der Teile des Wacholders überwachsen hatte. Zusammen mit der ohnehin sehr dichten Krone führte das zu erheblichem Lichtmangel. Besonders die stammnahen Bereiche waren dadurch stark verkahlt.
Zunächst musste das Totholz heraus. Anschließend habe ich störende und sich kreuzende Äste entfernt und die sehr homogene Außenkontur gezielt aufgebrochen.

Licht für die weitere Entwicklung
Beim Wacholder ist dabei etwas Zurückhaltung gefragt. Aus altem, vollständig kahlem Holz treibt er kaum wieder aus. Umso wertvoller sind die schwachen Zweige im Inneren, an denen noch Grün vorhanden ist.
Durch die Auslichtung und die Beseitigung des Efeus bekommen diese Zweige jetzt deutlich mehr Licht und Platz. Damit haben sie die Chance, sich kräftiger zu entwickeln und künftig wieder kräftige, schöne Partien der Krone zu bilden.
Nach etwa dreieinhalb Stunden Arbeit war der ursprüngliche Schirm deshalb noch klar erkennbar. Gleichzeitig ist die Krone wesentlich durchlässiger geworden und die gewachsene Aststruktur kommt wieder zum Vorschein. Und der Himmel ist zu sehen.

Ein Wacholder darf wild aussehen
Gerade ältere Wacholder müssen nicht wie eine sauber geschnittene Hecke aussehen. Ihre unregelmäßigen Äste und eigenwilligen Wuchsformen machen ihren besonderen Charakter aus.
Wie stark der Eingriff tatsächlich war, sieht man dem fertigen Gehölz kaum an: Am Ende lag ein etwa 1,50 Meter hoher Haufen aus Ästen und Grün auf der Wiese – weit mehr Schnittgut, als auf meinen Anhänger gepasst hätte. Und der gebuchte Container war schon voll.

Der Wacholder war nur ein Teil eines größeren Pflegeauftrags in Bielefeld. Er zeigt aber sehr schön, dass es bei älteren Gehölzen zwischen „so lassen“ und „weg damit“ noch eine ziemlich große Bandbreite gibt. Man muss sich nur die Chance geben.
Was steckt noch in Ihrem Gehölz?
Nicht alles, was zu groß, dicht oder aus der Form geraten ist, muss gleich weichen.